Ergänzende Förderung und Betreuung (eFöB)

Grundlagen der pädagogischen Arbeit 

Im laufenden Schulalltag sind unsere Erzieher*innen sowohl Lernunterstützer*innen während der Unterrichtsstunden als auch Ausgleichsinstanz gegenüber dem Unterricht im Nachmittagsbereich. Um diese zwei Pole zusammen zu führen, haben wir folgende pädagogische Zielstellungen und Aufgaben sowie unser pädagogisches Selbstverständnis formuliert.

Das Ziel der Erzieher*innen, die Kinder in ihrer Individualität zu stärken und sie in diesem Abschnitt ihres Lebens zu begleiten. Neben der Beziehungsarbeit zum Kind ist dabei die Förderung der Sozialkompetenz und des positiven Miteinanders ein wichtiger Aspekt. Hierzu gehört das Vermitteln von Regeln und Werten des sozialen Miteinanders im Schul- und Freizeitbereich. Gemeinsame Problemlösung, Empathie und ein reflektierter Umgang mit anderen Menschen haben in unserer pädagogischen Arbeit einen hohen Stellenwert. Die Kinder lernen demokratische Vorgehensweisen und behandeln Mitschüler und Erwachsene respektvoll. Dabei nähern sie sich Standpunkten anderer an, tauschen Erfahrungen aus und lernen so, Kompromisse einzugehen. 

Auch die Förderung der Ich-Kompetenz ist essenziell für die Entwicklung im Grundschulalter. Die Kinder lernen, sich zu reflektieren, ihre eigenen Normen zu entwickeln und mit Belastungen umzugehen. Sie werden sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst und beginnen, für sich selbst Ziele zu setzen und zu erreichen. 

Dazu gehört unter anderem die selbstständige Gestaltung der eigenen Freizeit. In Eigenverantwortung lernen die Kinder, ihre Zeit einzuteilen und Schwerpunkte zu setzen, Arbeits- und Freizeitfenster wahrzunehmen und sich entsprechend einzurichten. Sie erlernen vielfältige Vorgehensweisen, um sich in unterschiedlichsten Lebenssituationen zurechtzufinden und entwickeln daraus einen eigenen Methodenkatalog. Diese Methoden und Kompetenzen geleiten die Kinder auf ihrem Weg und müssen im Grundschulalter angebahnt, gefördert und gefestigt werden.

Unsere Erzieher*innen sehen sich als verlässliche Partner*innen der Kinder, KollegInnen und Eltern unserer Schule. In unterstützender Form bei Unterrichtsbegleitungen oder Ausflügen sowie in der ganzheitlichen Freizeitgestaltung in VHG-Stunden und am Nachmittag begleiten und unterstützen die Erzieher*innen ganztägig Lern- und Bildungsprozesse der Kinder und schaffen Entwicklungsräume. Dabei ist es wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem man sich frei bewegen und seine Interessen ungehindert entfalten kann. Außerdem ist es unser Anliegen, Gruppenstrukturen zu stärken. Im Sitzkreis schaffen wir eine angenehme Atmosphäre und nehmen uns Zeit, demokratisch auf individuelle oder gruppenbezogene Anregungen und Probleme einzugehen, Stille- und Achtsamkeitsübungen durchzuführen oder die Kinder über geplante Aktionen und Höhepunkte zu informieren.

Eine weitere Aufgabe ist die Beobachtung von Spielverhalten, sozialer Kompetenz, Lernverhalten und Problemlösungsfähigkeit der Kinder sowie der Entwicklungen und Dynamiken im Gruppengefüge am Vor- und Nachmittag. Ohne Beobachtung ist pädagogisches Arbeiten und Förderung nicht möglich. Deshalb werden alle relevanten Themen im Team besprochen und reflektiert. 

Dieses Selbstverständnis mit den ihm innewohnenden Aufgaben hilft dabei, sowohl Lernpartner als auch Spielpartner, sowohl Beobachter als auch Problemlöser zu sein und den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und respektvollem Umgang zu geben.

Konzeptionelle Schwerpunkte im „offenen Nachmittag“

Ziel unserer pädagogischen Arbeit am Nachmittag ist es, Freiräume zu schaffen, in denen die Kinder bestärkt werden, eigenverantwortlich ihre Freizeit zu gestalten und dadurch die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. Das wird durch die Öffnung des Hauses für alle Klassen erreicht. „Öffnung“ meint hier folgende räumliche, gruppendynamische, personelle, zeitliche und organisatorische Aspekte.

Am Nachmittag werden alle Themenräume und der Schulhof für die Hortkinder geöffnet. Es findet also keine gruppenbezogene Betreuung in einem Gruppenraum statt. Den Kindern stehen unter anderem ein Bau- und Gesellschaftsspieleraum, ein Bewegungsraum, ein Kreativraum, ein Entspannungsraum und ein Lernzeit-Raum zur Verfügung. Hier können sich die Kinder während des Nachmittags frei bewegen und ihren individuellen Interessen nachgehen. Außerdem werden zu angeleiteten Angeboten weitere Räume wie z.B. der Kunstraum geöffnet.

Das feste Klassengefüge löst sich am Nachmittag und neue gruppendynamische Prozesse werden durch das offene Konzept in Gang gesetzt. Baumeister*innen, Leseratten, Fußballspieler*innen und kreative Genies aller Klassen können miteinander ihren liebsten Aktivitäten nachgehen und voneinander lernen. So entstehen neue Freundschaften und Möglichkeiten, gemeinsam den Nachmittag zu gestalten.

Die Stärke der personellen Öffnung liegt darin, dass alle Kinder von den pädagogischen Schwerpunkten und Ressourcen der KollegInnen profitieren und nicht an eine/n Erzieher*in „gebunden“ sind. So können z. B. alle musikinteressierten Kinder an einem musikpädagogischen Angebot teilnehmen, während die weniger Interessierten sich eine andere Aktivität suchen. Weiterhin erweitert und festigt das offene Konzept auch den Kreis der Bezugspersonen jedes Kindes. So bauen die Kinder eine bessere Beziehung zu allen KollegInnen auf, was die Atmosphäre innerhalb des Schulgefüges erheblich verbessert.

Der zeitliche Aspekt der Öffnung des Nachmittages wird durch die Kinder selbst gestaltet. Sie lernen, ihre Freizeit und Lernzeit selbst einzuteilen, auf die Uhrzeit zu achten und pünktlich bei AGs zu sein oder sich selbstständig bei den KollegInnen abzumelden, wenn sie nachhause gehen müssen. Zu Beginn des Schuljahres begleiten die KollegInnen die Kinder dabei, indem sie den Tagesablauf im Kreis vor der offenen Zeit besprechen oder auf die Uhrzeit hinweisen bis die Kinder es verinnerlicht haben und ihre Freizeit selbstständig gestalten können. .

Um all diese Aspekte zusammenzuführen bedarf es einiger Organisation. Im Bau- und Gesellschaftsspieleraum befindet sich die Rezeption wo ein/e Kolleg*in mit den Kinderlisten aller Klassen sitzt. Hier verabschieden sich die Kinder, die abgeholt sind oder allein nach Hause gehen können. Außerdem befindet sich dort die Wochen-Informationstafel mit allen aktuellen pädagogischen Angeboten der KollegInnen und die „Wo-bin-ich“-Tafel. Jedes Kind hat ein magnetisches, farblich nach Klassen sortiertes, Namensschild, welches immer dort hängt, wo sich das Kind gerade befindet bzw. an welcher AG es gerade teilnimmt. Somit wissen sowohl die KollegInnen, die Kinder als auch die Eltern zu jeder Zeit, wo welches Kind zu finden ist. Die anderen KollegInnen sind in den Räumen oder dem Hof als Begleiter*innen der Kinder eingesetzt oder führen ein Angebot mit interessierten SchülerInnen durch. Gemeinsam mit den Kindern werden Regeln aufgestellt. Die Erzieher*innen achten darauf, dass diese eingehalten werden. Dazu gehört unter anderem der respektvolle Umgang miteinander, Ordnung und Sauberkeit sowie das An- und Abmelden.

Die gemeinsame Vesperzeit findet zwischen 15:30 und 15:50 Uhr im Gruppenraum statt. Die Vesper wird von den Hortkindern selbst mitgebracht. Gesunde Ernährung soll Spaß machen. Gemeinsam mit den Kindern wird jahreszeitlich verschiedene Tischdekorationen gestaltet, der Tisch gedeckt und das Obst zubereitet. 

Die Kinder haben die Möglichkeit, ihre Tischnachbarn täglich neu zu wählen und somit das Miteinander in der Gruppe und die Stellung jedes einzelnen Kindes in dieser aufzubauen und zu stärken. Mit den Kindern aufgestellte Tischregeln, geben diesen die Möglichkeit zu Gesprächen während der Mahlzeiten und sie lernen gleichzeitig Rücksicht auf andere zu nehmen. Den Erzieher*innen bieten sich in diesen Tischgesprächen vielfältige Gelegenheiten, die Interessen der Kinder, Erlebnisse, Ideen und Spielvorhaben zu erfahren und diese in der pädagogischen Arbeit aufzugreifen. Deshalb ist eine gemeinsame Vesperzeit mit allen anwesenden Kindern wichtig. Nach der Vesper helfen die Kinder beim Abräumen und Abwischen der Tische. Dabei lernen die Kinder Verantwortung zu übernehmen und etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Arbeitsfelder der Erzieher*innen/Rhythmisierung des Tagesablaufes

Die Aufgaben der Erzieher*innen werden von den neuen Anforderungen an Pädagogik geprägt. Als familienergänzende Einrichtung kann der eFöB-Bereich als ein Ort der Bildung, Erziehung und Betreuung verstanden werden, in dem weit über die Grundbedürfnisse nach Spielen, Begleiten und Organisieren hinaus den Kindern zugewandt eine kleine Lern- und Lebenswelt geschaffen wird.